Lomas: Eine Plattform für vertrauliche Datenanalysen
Mit der Lomas-Plattform sollen unter Wahrung höchster Datenschutzstandards Forschung gefördert, die Grundlagen für politische Entscheidfindungen geliefert und Innovation sektorübergreifend vorangetrieben werden.
Autor: Raphaël de Fondeville
Die Bundesverwaltung, namentlich das Bundesamt für Statistik (BFS), erhebt zur Erfüllung ihrer Aufgaben grosse Datenmengen. Anhand dieser Daten werden regionale, nationale und internationale Statistiken in verschiedenen Bereichen erstellt. Das immense Potenzial der erhobenen Daten bleibt jedoch weitgehend ungenutzt, da diese aufgrund strenger und legitimer Datenschutzbestimmungen nicht für andere Zwecke weiterverwendet werden dürfen.
Die Sekundärnutzung von Daten des Bundes ist ein komplexes Thema, das vorsichtig anzugehen ist. Bei der Weiterverwendung von Daten muss das Recht auf Schutz der Privatsphäre gewährleistet sein. Zudem dürfen die Vorteile einer solchen Sekundärnutzung nicht auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger, der Haushalte und der Unternehmen gehen. Diese beiden Aspekte sind entscheidend für die politische und gesellschaftliche Akzeptanz.
Lomas ist eine neue Open-Source-Plattform, die vom Kompetenzzentrum für Datenwissenschaft (DSCC) des BFS entwickelt wurde, um das Potenzial der Daten der öffentlichen Verwaltungen zu nutzen. Autorisierte Nutzende wie Forschende oder Analystinnen und Analysten des Bundes können darauf Datensätze mit Algorithmen auswerten, ohne direkt auf die Daten zuzugreifen. Konkret greifen sie aus der Ferne auf die Plattform zu, an die sie die Algorithmen zur Anwendung auf den Datensätzen übermitteln. Lomas führt diese Algorithmen aus, ohne die Daten an die Nutzerinnen und Nutzer weiterzugeben, und liefert die Ergebnisse geschützt durch Differential Privacy. Bei dieser Methode wird den Daten kontrolliertes Rauschen hinzugefügt, sodass jeder Versuch, identifizierbare Informationen zu extrahieren, nicht zuverlässig durchgeführt werden kann. Mit Differential Privacy kann das Risiko der Offenlegung der Daten mathematisch quantifiziert und kontrolliert werden. Gleichzeitig wird transparent gemacht, wie Daten geschützt und genutzt werden. Die Details zur Implementierung der Plattform sind hier beschrieben: https://arxiv.org/abs/2406.17087.
Lomas hat sich zum Ziel gesetzt, neue Nutzungsmöglichkeiten für Daten der öffentlichen Verwaltung zu schaffen, damit wertvolle Erkenntnisse aus bisher unzugänglichen Informationen gewonnen werden können. Mit der Lomas-Plattform sollen unter Wahrung höchster Datenschutzstandards Forschung gefördert, die Grundlagen für politische Entscheidfindung, zum Beispiel im Bereich der öffentlichen Gesundheit, geliefert und Innovation sektorübergreifend vorangetrieben werden.
Lomas ist auf dem Open-Source-System GitHub du DSCC verfügbar. Die Plattform befindet sich beim BFS noch im Stadium Proof-of-Concept. Zu Testzwecken mit öffentlichen Daten hat sich das DSCC mit INSEE, dem französischen Statistikamt, zusammengetan und Lomas in dessen Open-Source-Datenlabor Onyxia implementiert. Nationale statistische Ämter können den Zugang zu Onyxia beantragen und direkt mit Lomas experimentieren.
Bundesamt für Statistik
Espace de l'Europe 10
2010 Neuchâtel
