Auf dem Weg zu zuverlässigen und wiederverwendbaren Verwaltungsdaten: Die Infrastruktur im BFE steht
Im Bundesamt für Energie (BFE) ist die schrittweise Bereitstellung von Daten und Metadaten auf der I14Y-Plattform und auf opendata.swiss keine isolierte Massnahme. Vielmehr ist sie Teil einer übergeordneten Strategie, die darauf abzielt, die Datengouvernanz nachhaltig zu strukturieren, die Datenqualität zu stärken und die Interoperabilität zu verbessern. Es geht also nicht nur darum, Daten zu veröffentlichen, sondern die Grundlagen für ein kohärentes, zuverlässiges und auf den öffentlichen Nutzen ausgerichtetes digitales Zeitalter zu schaffen.
Im Bundesamt für Energie (BFE) ist die schrittweise Bereitstellung von Daten und Metadaten auf der I14Y-Plattform und auf opendata.swiss keine isolierte Massnahme. Vielmehr ist sie Teil einer übergeordneten Strategie, die darauf abzielt, die Datengouvernanz nachhaltig zu strukturieren, die Datenqualität zu stärken und die Interoperabilität zu verbessern. Es geht also nicht nur darum, Daten zu veröffentlichen, sondern die Grundlagen für ein kohärentes, zuverlässiges und auf den öffentlichen Nutzen ausgerichtetes digitales Zeitalter zu schaffen.
Die sichtbare Seite der Datengouvernanz
Hinter jedem veröffentlichten Datensatz stehen Fachleute, Prozesse, Standards, Zuständigkeiten und methodische Entscheidungen. Sie sind zwar weniger offensichtlich, aber dennoch entscheidend.
Beim BFE werden derzeit mehr als hundert Datensätze im Hinblick auf eine Veröffentlichung als OGD geprüft. Sie durchlaufen konsolidierte interne Prozesse im Bereich der Datenbewirtschaftung und -gouvernanz. Dazu gehören:
- die Klärung von Rollen und Zuständigkeiten,
- die Integration gemeinsamer Standards,
- Mechanismen zur Qualitätskontrolle oder Plausibilitätsprüfung,
- eine strukturierte Dokumentation
- sowie eine ganzheitliche Sicht über den gesamten Lebenszyklus der Daten.
Mithilfe dieser etablierten Prozesse und Standards konnten unter anderem bereits die Quelldaten der Kantone für direkte und indirekte Massnahmen des Gebäudeprogramms auf I14Y und auf opendata.swiss bereitgestellt werden.
Die Veröffentlichung von OGD erfordert ein kulturelles Umdenken. Dazu braucht es neue Kompetenzen, eine verstärkte Koordination und eine enge Zusammenarbeit zwischen Energiefachleuten, Digitalteams, IT-Spezialistinnen und -spezialisten und Kommunikationsfachleuten. Die von den Expertinnen und Experten des BFE produzierten Daten werden so strukturiert, dass sie in einer digitalen Umgebung langfristig nutzbar bleiben. Das bedeutet echten Mehrwert.
Die Datengouvernanz betrifft alle Daten, unabhängig davon, ob sie offen sind oder nicht. Sie ist keine zusätzliche bürokratische Ebene, sondern bildet die organisatorische Grundlage, um teilweise verstreutes Wissen zusammenzuführen und zu systematisieren, und macht daraus ein kohärentes strategisches Asset. Mit Gouvernanz wird dafür gesorgt, dass dieses interne Fachwissen im digitalen Zeitalter langfristig und gewinnbringend genutzt werden kann.
Die Aussagekraft von Daten im Zeitalter der Algorithmen sicherstellen
Der Wert eines Datensatzes liegt nicht nur in seinem Inhalt, sondern auch darin, wie er strukturiert, beschrieben und eingeordnet wird.
Metadaten spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie erleichtern das Verständnis, die Wiederverwendung und die Integration der Daten. Ausserdem helfen sie, die Nutzungsbedingungen zu präzisieren und die verwendeten Begriffe in den verschiedenen Landessprachen zu definieren.
In diesem Zusammenhang kommt der Bereitstellung von SHACL-Vorgaben und RDF-Metadaten eine strategisch wichtige Rolle zu. Ihre schrittweise Veröffentlichung als Linked Open Data in Abstimmung mit unseren Partnern auf Bundesebene – dem Bundesamt für Statistik, der Bundeskanzlei und den anderen Ämtern – trägt dazu bei, dass gemeinsame Informationen, Entscheidungen und Debatten auf zuverlässige Daten gestützt werden können.
Da die Vermittlung von Informationen zunehmend auf Algorithmen basiert, gewinnen die strukturelle Qualität und die Dokumentation der Daten strategisch an Bedeutung.
Daten zu produzieren reicht nicht mehr aus. Die Daten müssen verständlich, dokumentiert, interoperabel und zuverlässig sein, damit sie sowohl von der Öffentlichkeit als auch von Algorithmen eindeutig wiederverwendet werden können. Wir ergänzen unsere Daten daher kontinuierlich mit Strukturen (z. B. Gebäudeprogramm – Quelldaten der Kantone für indirekte Massnahmen) und Beschreibungen und verknüpfen diese mit standardisierten Konzepten (z. B. Massnahmen des Gebäudeprogramms und des Impulsprogramms), damit sie besser verstanden und einfacher verwendet werden können.
Interoperabilität für mehr Kohärenz
Interoperabilität ist weit mehr als die technische Verbindung mehrerer Systeme.
Sie setzt ein gemeinsames Verständnis voraus und stellt sicher, dass verschiedene Verwaltungseinheiten, institutionelle Partner oder Plattformen auf Bundesebene auf einer kohärenten und harmonisierten Grundlage arbeiten können.
In einem föderalen System, das durch sprachliche und organisatorische Vielfalt gekennzeichnet ist, lässt sich diese Kohärenz nicht einfach verordnen, sie muss bewusst aufgebaut werden. Dazu braucht es einen ständigen Dialog zwischen den Akteuren.
Dieser Dialog findet unter anderem im Rahmen der Zusammenarbeit mit I14Y, opendata.swiss, der Bundeskanzlei und den Expertengruppen des Bundes statt und ermöglicht es, Vorgehensweisen anzugleichen, Strukturen zu vereinheitlichen und die landesweite Kohärenz der Verwaltung zu stärken.
Die Interoperabilität trägt damit dazu bei, Silos abzubauen, die Qualität der Daten zu verbessern und ihre Wiederverwendung zu vereinfachen. Sie fördert die Koordination zwischen den Institutionen und stärkt die staatliche Handlungsfähigkeit.
Daten zu verknüpfen bedeutet auch, Menschen und Organisationen miteinander zu verbinden.
Datengouvernanz als strategisches Instrument
Die digitale Transformation der Verwaltung ist nicht eine rein technologische Angelegenheit. Sie beruht auch auf der Fähigkeit der Institutionen, ihren Datenbestand zu identifizieren, zu strukturieren und zu teilen.
Da sich die Behörden für die Entscheidfindung, die Entwicklung digitaler Dienste und den Aufbau von KI-Systemen zunehmend auf Daten stützen, wird die Robustheit der IT-Infrastruktur zur strategischen Herausforderung.
Datengouvernanz hilft:
- eine kohärente Praxis sicherzustellen,
- Zuständigkeiten zu klären,
- Prozesse zu sichern,
- Standards und Instrumente kontinuierlich zu verbessern
- und die Daten langfristig verfügbar zu machen.
Datengouvernanz bündelt verstreute Projekte zu einer strukturierten institutionellen Kompetenz.
In diesem Sinne ist Gouvernanz kein Zwang, sondern ein Hebel, der dazu beiträgt, technische Anforderungen, institutionelle Verantwortlichkeiten und gesellschaftliche Erwartungen an Transparenz und Zuverlässigkeit in Einklang zu bringen.
Die Verwaltung auf das Zeitalter der Algorithmen vorbereiten
Die rasante Entwicklung der digitalen Technologien, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, macht deutlich, wie wichtig ein strukturiertes Vorgehen ist.
Algorithmen und automatisierte Systeme spielen eine zunehmend wichtige Rolle beim Zugang zu öffentlichen Informationen. Sie analysieren, aggregieren und verbreiten Daten in grossem Umfang. Diese Entwicklung stellt höhere Anforderungen an Qualität, Dokumentation und Klarheit.
Unklar definierte, schlecht strukturierte oder unzureichend dokumentierte Daten können zu Fehlinterpretationen führen und das Vertrauen untergraben. Umgekehrt bilden geregelte, kontextualisierte und interoperable Daten eine solide Grundlage für Innovation und politische Entscheidungen.
Die Daten für die Digitalisierung aufzubereiten bedeutet, die Verwaltung für ein Umfeld fit zu machen, in dem Informationen anders zirkulieren, sich die Nutzungsgewohnheiten verändern und die institutionelle Verantwortung auch für den digitalen Bereich gilt.
Schrittweiser kultureller Wandel
Bei dieser Transformation ist jede Veröffentlichung eines Datensatzes ein wichtiger Schritt. Viel bedeutsamer als die Veröffentlichung selbst ist der damit verbundene kulturelle Wandel, bei dem es darum geht, die Datengouvernanz in die Praxis zu integrieren, Kompetenzen zu stärken, die Interdisziplinarität zu fördern und die Datenbewirtschaftung in einen langfristigen strategischen Rahmen einzubetten.
Diese Arbeit ist anspruchsvoll. Sie erfordert unterschiedliche Fachkenntnisse und bedingt eine ständige Koordination und gemeinsames Engagement. Sie ist nicht immer spektakulär, aber gibt dem Ganzen Struktur.
Die ersten auf I14Y und opendata.swiss sichtbaren Ergebnisse sind nur der Anfang eines umfangreichen Unterfangens: der Aufbau einer nachhaltigen, interoperablen und auf den öffentlichen Nutzen ausgerichteten Dateninfrastruktur.
Jede Veröffentlichung ist ein weiterer Schritt nach vorne. Zusammengenommen bilden die einzelnen Schritte eine Architektur im Dienste einer kohärenten, transparenten und immer besser auf künftige digitale und andere Herausforderungen vorbereiteten Verwaltung.
Die Daten des BFE und weitere Information zum Thema sind hier zu finden:
- Offene Datensätze des BFE
- Richtlinien für die Veröffentlichung von Open Government Data («OGD-Richtlinien»)
- DCAT-AP CH, der Schweizer Metadatenstandard
Jean-Martin Dénis ist Lead Data Steward beim Bundesamt für Energie (BFE) und Stellvertreter des Lead Data Stewards des UVEK im Data Board Bund. Er arbeitet an der Schnittstelle von Datengouvernanz, digitaler Transformation und öffentlicher Politik in der Schweizer Bundesverwaltung und der Energiebranche. Zudem sitzt er dem Data Governance Board des BFE vor und beteiligt sich aktiv an departementsübergreifenden Initiativen im Bereich der Datengouvernanz zur Unterstützung der nationalen Digitalisierung und der Open Government Data (OGD). Mit mehr als zehn Jahren akademischer Erfahrung, insbesondere im Unterrichten von angewandter Statistik auf Bachelor- und Master-Stufe, sowie einer Weiterbildung in Datenwissenschaft (MITx MicroMasters) bringt er fundiertes analytisches Fachwissen in die Steuerung des öffentlichen Sektors ein. Jean-Martin Dénis ist zudem Fellow der ersten Kohorte des DSA Cambridge Fellowship Programme der Digital Statecraft Academy. Dieses bringt ausgewählte internationale Fachpersonen zusammen, die sich für eine verantwortungsvolle Steuerung von Technologien und die Zukunft öffentlicher Institutionen im digitalen Zeitalter einsetzen.
Wenn OGD ein traditionelles Gericht wären, welches wäre es?
Aus beruflicher Gewohnheit löse ich mich von den Daten und lege den Fokus auf die Metadaten: Ich spreche also lieber über die Weinbegleitung als über das Gericht. Wein ist ein perfektes Beispiel für den Mehrwert von Metadaten. Der jeweilige Beginn der Weinlese in der Region Beaune ist seit 1354 so gut dokumentiert, dass die entsprechenden Daten 2019 zur Untersuchung des Klimas herangezogen wurden (https://doi.org/10.5194/cp-15-1485-2019). Wir haben es hier mit einem guten Beispiel für FAIR-Daten zu tun. Es stellt das, was uns heute so neu scheint, in einen grösseren Zusammenhang und ordnet die Datenkultur in unsere Geschichte und Kultur ein.
Wenn OGD Superhelden wären, welche Superkraft hätten sie?
Offene Daten haben – sofern sie richtig gesteuert werden – eine Superkraft: Sie wandeln Transparenz in Vertrauen um.
OGD sind mehr als nur veröffentlichte Daten. Ihre wahre Superkraft besteht darin, das öffentliche Handeln verständlicher, besser überprüfbar und zuverlässiger zu machen und damit das Vertrauen zwischen Staat, Gesellschaft, Forschung und Wirtschaft zu stärken.
Wie würde der Titel Ihrer Autobiografie über Ihre Abenteuer in der Welt der OGD lauten?
«An accidental Lead Data Steward» als humoristische Anspielung auf die Biografie eines grossen Statistikers.
Bundesamt für Statistik
Espace de l'Europe 10
Schweiz - CH-2010 Neuenburg

